Konzeption


I. Wohngruppenbeschreibung

 

Die Jugendwohngruppe „Inklusion und Autismus Schleswig“ für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Autismus Spektrum Störung (ASS) in Schleswig ist eine vollstationäre pädagogisch Einrichtung, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den Inklusionsgedanken, autismusspezifisch in allen Alltagsbereichen unterstützend umzusetzen. Wir bieten ein separatives Gruppenkonzept mit individuell erarbeiteten Inklusionsansätzen, ohne den jungen Menschen mit Autismus zu überfordern. Die Bewohner werden in lebenspraktischen, schulischen, ausbildungsrelevanten Bereichen aber auch in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung begleitet, unterstützt und gefördert. Die Wohngruppe bietet Platz für 10 Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Diagnose „ASS“ haben. Das Haus ist so strukturiert, dass jeder Jugendliche sein eigenes, großzügiges Zimmer als Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung hat. Gemeinsame Gruppenräume, wie zum Beispiel Küche, Wohnzimmer und Freizeitraum bieten die Möglichkeit zum Training einer Teilhabe in einer sozialen Gemeinschaft. Ein großzügiger Betreuungsschlüssel ermöglicht den jungen Menschen mit Autismus einen gelungenen Übergang in eine eigene Wohnung zu erlernen und Inhalte zur Verselbstständigung in einen individuell strukturierten Rahmen bestmöglich und intensiver vermittelt zu bekommen. Außerdem soll der Trainingsbereich die Möglichkeit bieten, alltagspraktische Tätigkeiten in einem kleinen und gesicherten Rahmen in einer Einzel- oder Kleingrupppensituation zu erlernen. Zu den „Hausmeistertätigkeiten“ im Außenbereich werden die Jugendlichen nach ihren Möglichkeiten hinzugezogen. In der hauseigenen kleinen Werkstatt können Fahrräder repariert, aber auch andere handwerkliche Tätigkeiten des Alltages erlernt werden.

 

 

Ort und Infrastruktur

 

Das Wohnhaus liegt im Süden der Stadt Schleswig, nur wenige Gehminuten von der Schlei entfernt. Umfangreiche Einkaufsmöglichkeiten, der Bahnhof, alle Schulformen und Ärzte befinden sich in unmittelbarer Nähe. Die landschaftlich sehr ansprechende Umgebung, aber auch die Menge an Sportvereinen, bietet viele Möglichkeiten zur individuellen Freizeitgestaltung. Die Kreisstadt Schleswig hat ca. 24000 Einwohner und ist mit der guten Verkehrsanbindung sehr zentral gelegen.

 

 

Klientel

 

Es werden in der Regel Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreut, bei denen Bedarf an Erziehungshilfe/Hilfe für junge Volljährige besteht (im Rahmen der Hilfe zur Erziehung nach §§ 27 i.V.m. 34 und 35a SGB VIII).

 

 

Aufnahmevoraussetzungen

 

Aufgenommen werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Primärdiagnose aus dem Bereich „Autismus Spektrum Störung“ (ICD 10 F84.5 Asperger Autismus sowie High Functioning und Atypischer Autismus) von mittelschwerer bis schwerer Ausprägung. Aus pädagogischer, netzwerkorientierter Sicht sollte sich das Einzugsgebiet auf Mittel- und Norddeutschland beschränken. Voraussetzung für eine Aufnahme ist eine Zuordnung für den Jugendlichen nach §§ 27 i.V.m. 35a SGB VIII, die die vollstationäre Unterbringung möglich macht. Die Bedarfsklärung und Antragstellung sollte mit dem örtlich zuständigen Jugendamt geklärt sein. In Vorgesprächen findet ein Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten statt und es werden Voraussetzungen und Erwartungen der Einrichtung, des Klienten, der Eltern und des Jugendamtes, ziel- und ressourcenorientiert aufeinander abgestimmt.

 

 

 

II. Leistungsinhalte/Betreuungsrahmen

 

Schule und Arbeit

 

Es gibt nicht die beste Beschulungsform oder das beste Arbeitsfeld für Menschen mit Asperger Syndrom. Es gibt aber die beste Beschulungsform und das beste Arbeitsfeld für jeden einzelnen, individuellen Menschen mit Asperger Syndrom. Diese zu finden ist oberste Aufgabe aller Beteiligten, denn den vielen Menschen mit Autismus ist es wichtig schulisch gut gefördert zu werden. Aus diesem Grund bieten wir neben dem Besuch einer Regelschule, für Jugendliche, die Schwierigkeiten damit haben sich in großen Schulen sowie Klassenverbänden zu Recht zu finden, individuelle Lösungen an. Inklusion kann nur erfolgreich sein, wenn der Klient partizipativ, selbstbestimmt und auf Basis seiner Wünsche das Ziel einer gelungenen Inklusion verfolgt und es im Rahmen seiner Fähigkeiten, Wünsche und persönlichen Entwicklung umsetzbar ist. Manchmal ist, aufgrund autismusspezifischer Schwierigkeiten, eine Beschulung an einer Regelschule nicht möglich oder empfehlenswert. In diesem Fall ist es erforderlich eine individuell angepasste Beschulungsform (Schulassistenz, Kleingruppenbeschulung, Einzelunterricht, o.ä.) zu kreieren. Der Bereich Schule und Arbeit wird von einer extra dafür vorgesehenen Fachkraft organisiert, dokumentiert und begleitet.

 

 

Alltag in der Wohngruppe

 

In Anbetracht der schwierigen Ausgangslage für soziale Interaktion und der Prämisse inklusiv zu arbeiten, ist ein wesentlicher Inhalt der Wohngruppe ein auf die Individualität der Autisten abgestimmtes Sozialkompetenztraining, in dem es darum geht, Dinge die nicht intuitiv umgesetzt werden, konsequent zu trainieren. Aber auch den Umgang mit den Eigenheiten, Tics oder zwanghaften Verhalten so zu entwickeln, dass ein inklusives Leben möglich ist. Nur so können die jungen Menschen mit Autismus zukünftig, ohne besonders aufzufallen, an dem gesellschaftlichen Leben teilhaben und sich selbstbewusst innerhalb dieses bewegen. Denn genau das ist es, was sich viele junge Menschen wünschen. „Sozial adäquates Verhalten“, wie es die Gesellschaft vorgibt, ist für Menschen mit Autismus häufig mit Angst, Frustration und Verwirrung und dem daraus resultierenden so genannten „Overload“, einhergehend. Sie müssen Verhaltensweisen, die andere Menschen intuitiv richtig und angemessen zeigen, erlernen. Wir machen es uns zur Aufgabe, ein problemfreies Auftreten unseres Klientels innerhalb und außerhalb der Wohngruppe ressourcen- und bedarfsorientiert in einem wertschätzenden und fachkompetenten Rahmen zu vermitteln. Um unseren Bewohnern in lebenspraktischen Bereichen größtmögliche Selbständigkeit zu ermöglichen, werden individuelle Unterstützungsmaßnahmen auf Basis des TEACCH-Ansatzes erstellt. Dabei verfahren wir nach dem Motto „So viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich“. Regelmäßige Reflexions- und Einzelgespräche helfen allen Beteiligten, Vergangenes zu evaluieren und für die Zukunft neue Wünsche und Perspektiven zu entwickeln.

 

 

Perspektiventwicklung

 

Die größtmögliche Selbstständigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist das übergeordnete Ziel unserer Einrichtung. Individuell zugeschnittene Pläne, Strukturen und sonstige Unterstützung im Alltag aber auch bei der schulischen und beruflichen Perspektive helfen dem jungen Menschen mit Autismus. Sie werden in alle, sie betreffenden, Angelegenheiten einbezogen und nehmen an den Entscheidungsprozessen aktiv teil.

 

 

 

III. Eltern/ Institutionen

 

Ein funktionierendes Netzwerk zwischen allen Beteiligten (Eltern, Wohngruppe, Jugendamt, Ärzte, Therapeuten, etc.) ist für Menschen mit Autismus in ihrer Förderung und Entwicklung sehr wichtig. In der Wohngruppe geht es darum, dem jungen Menschen mit Autismus mit Hilfe professioneller Unterstützung neue Möglichkeiten des selbstbestimmten Lebens zu eröffnen und Alternativen anzubieten. Ein enger Austausch mit den Eltern ist vor allem in der Anfangszeit besonders wünschenswert. Jeder Jugendliche der Wohngruppe hat einen Bezugspädagogen, welcher regelmäßig Kontakt zu den Eltern hat und Rückmeldungen gibt, Absprachen trifft oder Informationen einholt.

 

 

 

IV. Mitarbeiter

 

Das Team der Jugendwohngruppe „In&Aut - Inklusion und Autismus Schleswig“ setzt sich zusammen aus einem Diplomsozialpädagogen (Wohngruppenleitung), 5 Gruppenerziehern und-erzieherinnen, einer Fachkraft für die Begleitung an Schule und in Arbeit, einer Reinigungskraft, einer Bürokraft, einem Hausmeister sowie einigen Aushilfen/Nachtberitschaften. Es finden tägliche Übergaben und wöchentliche Teambesprechungen statt und es wird zusätzlich täglich personen- und gruppenbezogen dokumentiert, um eine strukturierte, klientenzentrierte und zielorientierte Zusammenarbeit gewährleisten zu können. Regelmäßige Fallbesprechungen und Supervision finden ebenfalls statt und die Mitarbeiter haben die Möglichkeit sich ihrem Arbeitsfeld entsprechend fortzubilden. Jeder Erzieher ist zugleich Bezugspädagoge für bis zu drei Jugendliche und hat die Verantwortung für Elternkontakte, Einteilung des Taschengeldes, Planung und Strukturierung der Tages- und Wochenpläne und die persönlichen Bedürfnisse. Die, für die in regelmäßigen Abständen stattfindenden Hilfeplangespräche, notwendigen Berichte, werden von den jeweiligen Bezugspädagogen in Zusammenarbeit mit der Wohngruppenleitung geschrieben. Auch hierbei legen wir großen Wert auf die enge Zusammenarbeit und die Möglichkeit zur Partizipation und Teilhabe der jungen Menschen. Es finden nicht nur im Vorfeld Gespräche mit den Bewohnern statt, sondern auch nach Fertigstellung des Berichtes wird dieser gemeinsam besprochen. Auf Grund des erhöhten Betreuungsschlüssels ist es möglich, Alltagssituationen aber auch nichtalltägliche Dinge und Freizeitangebote in Form von Einzel- und Kleingruppenförderung anzubieten.